Der Vernetzer

Friedrich Macher begann seine Karriere als gelernter Binnenschiffer und gehört heute zu der Handvoll Logistiker, die sich mit allen Verkehrsträgern auskennt.
Von Wilfried Schneider

Wenn früh am Morgen die Nacht gegen den Tag den Kürzeren zieht, steigt Friedrich Macher bereits dem Gipfel entgegen. „Meine Bergtouren brauche ich wie ein Stück Brot“, sagt der 63-Jährige, „sie sind gleichsam mein Erholungs- wie auch Ideentank.“ Über 1600 teils schwerste Aufstiegsrouten hat er bereits bewältigt. Oft ist Macher dabei allein unterwegs, wie auf seinem Weg als Vorreiter, Kräftebündler und Vernetzer am Logistikmarkt. In der Tat gibt es nicht viele Führungskräfte, die über langjährige praktische Erfahrung mit allen Verkehrsträgern verfügen. Macher ist eines dieser Unikate. „Niemals halbe Sachen machen und immer Chancen und Herausforderungen ungeschminkt auf den Tisch legen“, lautet seine Devise.

Quereinstieg
Dabei begann sein Berufsweg ganz woanders: „Ich erlernte in den 70er Jahren den Beruf des Binnenschiffers“, erzählt Macher, „und befuhr als Schiffsoffizier im Rang eines Rechnungslegers die gesamte schiffbare Donau.“ Mit der Logistikbranche ging er 1973 erstmals auf Tuchfühlung, als er bei der Wiener Spedition Kirchner anheuerte, deren Vorstandsdirektor er später wurde. „Hier bewältigte ich meine erste große Herausforderung,
nämlich die Umstellung einer österreichischen Familienaktiengesellschaft zur Tochter des (damaligen) Rhenania-Konzerns“, sagt Macher.

Fast ein Jahrzehnt war Macher bei Digital Equipment im Management der österreichischen Landesgesellschaft sowie im Logistikmanagement der DACH-Region tätig. Das Unternehmen galt damals als härtester Herausforderer des Weltmarktführers IBM. Durch die erfolgreiche Post Merger Integration von Philips Data Systems und Kienzle schaffte er den Aufstieg zum stellvertretenden Generaldirektor.

1995 übernahm Macher als Landeschef die Neustrukturierung von Kühne + Nagel Österreich sowie den Ausbau der Aktivitäten in Zentral- und Südosteuropa zu einem der Marktführer. Als regionaler Manager gehörte Macher auch dem Global Management Committee des Konzerns an. "Der Erfolg beruhte letztlich auf einem sehr partizipativen Leadership-Führungsstil, den ich bei Kühne + Nagel pflegen konnte", ist Macher überzeugt. "Derartige Rahmenbedingungen waren mir seit damals nicht mehr vergönnt, aber ich arbeite intensiv daran, um wieder in einen solchen Entwicklungszustand zu gelangen."

Heilsame Wechselbäder
Überraschend für die Branche, aber, wie er sagt, in bestem Einvernehmen mit Kühne + Nagel folgte Macher dem Ruf der Österreichischen Bundesbahnen. Er trat in den Vorstand von deren Güterverkehrstochter Rail Cargo Austria (RCA) ein. Was folgte, was ein Wechselbad der Gefühle. Zunächst gelang es Macher, die Speditions- und Bahnaktivitäten des Konzerns zusammenzuführen und neu auszurichten. Unter seiner Führung wurden Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) in Italien und Rumänien gegründet. Die Verträge über die Übernahme der ungarischen Güterbahn MAV Cargo (später Rail Cargo Hungaria) „erbte“ Macher von seinem Vorgänger. 2010 jedoch, quasi als Nachwehen des wirtschaftlichen Schreckensjahrs 2009, folgte der Rücktritt Machers und eines Vorstandskollegen. Doch er wäre nicht Friedrich Macher, könnte er nicht auch Rückschlägen etwas Positives abgewinnen: "Ich konnte wieder einmal lernen, dass emotionale Stabilität zu den wichtigsten Qualitäten einer Führungskraft gehört – und dass Aufs und Abs normal sind."

Schlussendlich kam es zu einer einvernehmlichen Auflösung des Dienstverhältnisses mit der RCA. "Heute pflege ich mit dem ÖBB-Management eine konstruktive und professionelle Geschäftsbeziehung", sagt Macher.

Neubeginn mit privatem EVU
Derzeit ist er dabei, als geschäftsführender Gesellschafter bei Grampetcargo Austria, einem privaten EVU mit Zentrale in Rumänien, Bahngüterverkehre von und nach Osteuropa sowie auf der Achse Türkei–Rumänien–Österreich– Benelux aufzubauen. Und das nicht nur als Bahnspedition, sondern voraussichtlich vom 3. Quartal 2015 an als in Österreich voll lizenziertes EVU: „Ziel der Grampet-Gruppe ist, ein führender Mitbewerber unter den privaten Güterbahnen unter anderem auf der Donau- Achse zu werden“, erklärt Macher.

Bis heute ist Machers Begeisterung für visionäre Logistikkonzepte ungebrochen. Er versteht es, praktisches Wirken und Lehrtätigkeit miteinander zu verbinden. Das Rüstzeug dafür holte er sich bei Professor Peter Faller, dem legendären Leiter des seinerzeitigen Instituts für Verkehrswirtschaft an der Wirtschaftsuni Wien. "Im Laufe der Zeit verfasste ich Hunderte Fachartikel, konzipierte Lehrmaterialien und habe an rund 200 Fachtagungen/Seminaren mitgewirkt." Zudem gilt er als einer der Gründerväter der Bundesvereinigung Logistik Österreich, deren erster Präsident er war.

Engagement in der Weiterbildung
"Ein Arbeitstag ist für mich dann erfolgreich, wenn ich einen wichtigen Menschen begeistert habe", sagt Macher. Wichtig sind für ihn jedoch nicht nur Kunden und Geschäftspartner, sondern vor allem Mitarbeiter und Studierende, die es immerfort aus- und weiterzubilden gilt. Und Macher weiß, was er verlangen kann, erwarb er doch seine Qualifikationen (Betriebswirtschaft, Industrial Engineering, Informatik) selbst auf dem zweiten Bildungsweg. Noch heute stellt sich der Absolvent des Insead-Programs (Universität Fontainebleau/F) permanenten Executive-Trainings. "Interaktive Lerngemeinschaft" nennt er sein Engagement in der Weiterbildung, "weil es kaum je passiert, dass ich nicht von den Teilnehmern meiner Lehrveranstaltungen etwas dazulerne."

Grampetcargo
Die Grampetcargo Austria GmbH ist auf Ganzzugverkehre spezialisiert. Das Unternehmen ist Mitglied der rumänischen Grampetcargo Group. Seit April 2012 ist es am österreichischen Markt aktiv. Als geschäftsführender Gesellschafter kümmert sich Macher unter anderem um den Aufbau neuer Bahngüterverkehre zwischen Osteuropa, der Türkei und Mitteleuropa.

Darüber hinaus engagiert sich Macher bereits seit Jahrzehnten im "Katholischen Laienrat Österreichs" – derzeit als dessen Vizepräsident und Vorsitzender der Kurie der Einzelpersonen. Nach couragierten Wortmeldungen, etwa zum Sozialhirtenbrief der katholischen Bischöfe Österreichs, diskutierte Macher gemeinsam mit 300 anderen Delegierten 1998 beim Salzburger "Dialog für Österreich" mit den Kirchenoberen. Seine Lieblingspersönlichkeit in der Zeitgeschichte ist Papst Franziskus: "Sein Charisma, vor dem Hintergrund jesuitischer Gelehrsamkeit den Namen Franziskus zu wählen und dies glaubwürdig vorzuleben und umzusetzen, ist meiner Überzeugung nach genau jener Impuls, der zurzeit benötigt wird." (sm)

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